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"Wir sind quasi nie krank"

 

Dr. Susanne Ihlenburg ist promovierte Medizinerin mit dem Schwerpunkt 

"Naturheilverfahren und Akupunktur". Sie lebt mit ihrem Mann und 2 Kindern

in Erlangen. Für sie ist Ernährung Prävention und Lebenseinstellung.

 

Susanne stammt aus einer Medizinerfamilie dennoch war sie als Kind oft

krank und hatte im Studium mit Migräne zu kämpfen. Durch eine Umstellung

der Lebensweise sagt sie, sei sie heute frei von Migräne und Co. 

 

Susanne ernährt sich überwiegend Rohköstlich. Welche Schwierigkeiten aber

auch Vorteile diese Ernährungsform für Kinder mit sich bringt, könnt ihr hier gern

nachlesen. Wenn Ihr Fragen an Susanne habt, leiten wir sie gerne weiter.

 

Susanne, in einer Zeit, in der chronische Erkrankungen auch bei Kindern zunehmen, versuchst Du Euch als Familie

bewusster zu ernähren. Was macht Dich sicher, die richtige Form für Eure Familie gewählt zu haben?

Uns geht es gut mit unserer Ernährungsweise. Wir sind quasi nie krank.

 

Wie können wir uns das praktisch vorstellen? Welche Ernährungsform hast Du gewählt?

Wir ernähren uns überwiegend vegan und wenn immer möglich am liebsten roh. Viel frisches Gemüse und Obst,

ergänzt um gesunde Fette wie Avocado, Oliven, einige Ölsaaten wie Leinsamen und Hanfsamen.

 

Grüne Smoothies gibt es bei uns regelmäßig, frische Wildkräuter bereichern unsere Ernährung

insbesondere im Frühjahr und Sommer. Im Winter gibt es ab und zu frisch gepressten Weizengrassaft.

Fleisch und raffinierten Zucker gibt es bei uns nicht, ebenso trinken wir keinen Alkohol und keinen Kaffee.

Ich lebe glutenfrei, die Familie bis auf einige Ausnahmen auch.

 

Oft erkranken Menschen im Umfeld und dann stellen Menschen den Lebensstil um. Du aber hast Medizin studiert,

stammt daher Deine Motivation?

 Als Kind bekam ich Fleisch, viele Milchprodukte, vorzugsweise mit Zucker… Ich war oft krank,

hatte ständig vereiterte Mandeln, bekam oft Antibiotika bis die Mandeln dann entfernt wurden.

Wenn wir essen gingen, wählte ich instinktiv immer einen großen Salat, anstatt Braten. In der Schule

hatte ich dann öfter Migräne und nahm Schmerzmittel. Als ich im Studium meinen eigenen Haushalt führte,

ernährte ich mich vegetarisch, weil ich merkte, dass ich ohne Fleisch einfach mehr Kraft hatte.

 

Es hat dann noch eine Weile gedauert, bis ich herausfand, dass Milchprodukte, Eier und Gluten bei mir Migräne

triggerten. Daher habe ich meine Ernährung entsprechend umgestellt.

 

Diabetes und schlechte Zähne sind mittlerweile leider ein großes Thema bei Kindern.

Dürfen Deine Kinder Süßigkeiten, wenn ja was?

Nein, Schokoriegel, Gummibärchen und Co. gibt es bei uns nicht. Wenn es einen besonderen Anlass gibt,

bekommt die Große ein wenig Trockenfrüchte, z.B. 2 Datteln.

 

Auch in den Regalen der großen Supermärkte findet sich immer mehr Bio, es scheint ein Umdenken stattzufinden.

Wie reagiert Euer Umfeld auf Eure Art der Ernährung?

Unterschiedlich. Gerade Menschen mit medizinischer Bildung reagieren verwirrt und zum Teil auch offen ablehnend.

Bei einigen tritt dann das personifizierte schlechte Gewissen zu Tage. Aber weit überwiegend wird unserer Ernährungsweise

großes Interesse und zum Teil sogar Bewunderung entgegengebracht.

Viele sind neugierig und fragen ehrlich interessiert nach.

 

Was für Vorteile siehst Du in der Form der Familien-Ernährung im Vergleich zu einer herkömmlichen Ernährung via

Supermarkt und Fertigkost?

Wir beugen aktiv Krankheiten vor. Unsere vitalstoffreiche Ernährung sättigt und belebt zugleich. Meiner Erfahrung nach

putscht Fertigkost nur auf und entzieht dann aber Kräfte.

 

Wie haltet Ihr es mit dem Essen an Feiertagen? Gibt es Ausnahmen?

An den Feiertagen versuche ich ein leckeres Rohkostgericht zu zaubern. Entsprechende Rezeptbücher gibt es viele.

An Geburtstagen mache ich z.B. eine Rohkosttorte aus Mandeln, Cashewcreme und frischen Beeren, mild mit wenigen

Datteln gesüßt. Die bringt auch Skeptiker zum Schmelzen .

 

Wie macht ihr es wenn Eure Kinder zu einem Geburtstag eingeladen werden?

Zunächst gibt es zu Hause das Lieblingsgericht der Kinder. Da gehen sie dann nicht hungrig zum Geburtstag.

Dann gebe ich z.B. einen hübschen bunten Obstigel für alle mit oder auch mal eine Platte mit hübsch angerichteten

glutenfreien Partybroten für alle. Ich sage dann, dass meine Kinder davon essen sollen.

 

Eines Deiner Kinder besucht eine Kita. Wie wird dort mit Ernährung umgegangen?

Leider ist die Kita überhaupt nicht flexibel. Es wird nicht jeden Tag ein vegetarisches Essen zur Auswahl angeboten.

Es ist auch nicht möglich, dass wir unserer Kleinen das Mittagessen von zu Hause mitgeben…

Daher holen wir sie auch schon mittags ab.

 

Für uns bleibt zu überlegen, ob wir die Einrichtung wechseln.

 

Werden in „Eurem“ Kindergarten Süßigkeiten ausgegeben?

Es werden dort in der Frühstückspause viel zu viele Süßigkeiten gegessen. Und das, obwohl die Eltern dieses

Waldkindergartens angehalten sind, ein gesundes Frühstück mitzugeben. Fast jede Woche hat jemand Geburtstag.

Es werden immer Muffins oder Kuchen mitgebracht, nie etwas Anderes.…

 

Wenn Kinder erst einmal an eine klassische Ernährung gewöhnt sind, ist es schwer die Ernährungsgewohnheiten

umzustellen. Hast Du da Tipps für Familien, die etwas verändern möchten?

Auf jeden Fall sollten die Eltern die entsprechende Ernährungsweise vorleben, von der sie überzeugt sind.

Wenn ich mit Genuss zum Abendessen meinen Salat verspeise, dann sehen die Kinder dies und essen genussvoll mit.

Gut ist auch, wenn sie bei der Speisenzubereitung aktiv mithelfen und gestalten können.

Da schmeckt es gleich nochmal doppelt so gut

 

Auch kleine Veränderungen sind möglich, z.B. schmecken glutenfreie Spirelli z.B. aus roten Linsen so gut, dass man

keine Nudeln aus Weizen braucht. Oder man stellt mit einem Spiralschneider z.B. aus Zucchini Nudelstreifen her.

Ist mit einer Nudelsoße auch sehr lecker! Wichtig finde ich immer ein ansprechendes Aussehen der Mahlzeit.

Ausnahmen dürfen gern mal sein, essen soll Spaß machen, da darf man nichts erzwingen.

 

Ein weiteres, umstrittenes Thema: Vitaminpräparate. Gibst Du Deinen Kindern Nahrungsergänzungen?

Es wird ja immer wieder über das Eiweißthema, B 12, Eisen, Calcium, Jod und Vitamin D geredet.

Der Eiweißgehalt pflanzlicher Nahrung ist ausreichend, insbesondere, wenn die Pflanze nicht erhitzt ist, können die enthaltenen

Eiweiße gut vom Körper aufgenommen werden. Sprossen bereichern die Ernährung mit vielen Vitaminen und Mineralstoffen.

In Brokkolisprossen findet sich beispielsweise viel Calcium. Wir mögen gern getrocknete Meeresalgen, z.B. Nori, darin ist neben

vielen Mineralstoffen natürliches Jod enthalten. Wir mögen auch gern Chlorella-Alge, z.B. als kleine Tabs für zwischendurch

zum Knabbern. Sie enthält hochwertiges pflanzliches Eiweiß und Vitamin B12 ist auch enthalten. Im Winter gebe ich den Kindern

Vitamin D in Kombination mit Vitamin K2, Vitamin B12 gebe ich auch sporadisch mal.

 

Würdest Du auch Eltern zu Supplements raten, die einer klassischen Ernährung (Fleisch-Weißbrötchen und Co.) frönen?

Wir halten es so, dass wir viel raus gehen, die Sonne sinn- und maßvoll genießen, im Winter Vitamin D und K2 supplementieren und

Vitamin B12 auch gelegentlich als Präparat zu uns nehmen, Chlorella essen wir ohnehin schon (Vitamin B12). Die Nori-Algen sorgen

für natürliches Jod.

 

Omega 3 Fettsäuren sollen für die Entwicklung der Intelligenz und Konzentration bedeutsamer sein.

Was denkst Du darüber? Welche Fette/Brainfood reichst Du Deiner Familie?

Wir verwenden Olivenöl, Hanföl und Leinöl. Insbesondere im Leinöl sind Omega-3-Fettsäuren enthalten. Wichtig ist natürlich,

dass das Leinöl so frisch wie möglich ist. Die Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA findet man z.B. in speziellem Algenöl.

 

Ist gesunde Ernährung wirklich teuer und zeitaufwändig?

Jede selbst zubereitete Nahrung braucht Zeit zur Herstellung. Gesunde Ernährung ist nicht zeitaufwändiger. Man kann eine Menge Geld sparen,

wenn man Fleisch und Fertigprodukte aus seinem Speiseplan streicht. Für das Geld bekommt man viel Obst und Gemüse, sogar in Bio-Qualität.

 

Was sagst Du Menschen die meinen, Kinder bräuchten Fleisch und Milchprodukte? Es wird behauptet,

vegane Kinder würden weniger wachsen/durchschnittlich kleiner sein. Was denkst Du darüber?

In Muttermilch sind 1-1,5 % Eiweiß enthalten. Das genügt, um den Säugling wachsen und gedeihen zu lassen, innerhalb eines

halben Jahres wird sein Gewicht verdoppelt. Säuglinge, die Produkte von der Kuh bekommen, werden unnatürlicherweise

größer und schwerer. Die Kuhmilch ist darauf angelegt, dass das Kalb schnell wächst. Heutzutage ist das Problem der Eiweißmast

noch nicht recht in das Bewusstsein der sich „normal“ ernährenden Menschen vorgedrungen.

 

Vor einigen Jahren gab es mal einige Veganer/Rohköstler mit signifikanten Mängeln (schlechte Zähne/weiche Knochen).

Denkst Du das ist heute noch ein Thema?

Das kann heute auf „Puddingveganer“ immer noch zutreffen. Insbesondere dann, wenn diese nur Fertiggerichte und

Gekochtes verzehren. Auch bei der Rohkost muss man aufpassen, dass man sich nicht nur von Obst ernährt. Die Früchte sind meist Hybride,

auf Aussehen und süßen Geschmack gezüchtet. Bei der Züchtung sind wichtige Pflanzeninhaltsstoffe, Mineralien und Vitamine auf der

Strecke geblieben. Man sollte daher die Ernährung mit Sprossen, Grassäften und Wildkräutern bereichern.

 

Lasst Ihr Euer Blut auf Mängel checken? Welche Richtlinie nutzt Ihr da?

In der Schwangerschaft habe ich mein Blut im Allgemeinen untersuchen lassen und insbesondere Vitamin B12 und

Vitamin D testen lassen.


Vielen Dank liebe Susanne für das interessante Interview.